Allgemeines zur Haltung von Springspinnen

Springspinnen sind tagaktive Tiere, die ihre Beute hauptsächlich mit den Augen wahrnehmen und aktiv jagen. Für eine erfolgreiche Haltung benötigen sie ein gut belüftetes, eher hohes Terrarium, eine helle Tageslichtbeleuchtung, passende Temperaturzonen sowie ausreichend Kletter- und Versteckmöglichkeiten.
Springspinnen werden grundsätzlich einzeln gehalten, da sie Artgenossen ausserhalb der Paarung als mögliche Beute wahrnehmen können. Die folgenden Informationen beziehen sich hauptsächlich auf die von mir gehaltenen Phidippus-Arten und sollen einen verständlichen Überblick über ihre grundlegenden Haltungsbedürfnisse geben.

Was braucht es zur Springspinnenhaltung?

Springspinnen halten sich bevorzugt im oberen Bereich des Terrariums auf. Deshalb eignet sich ein eher hoch gebautes Terrarium besonders gut. Für ausgewachsene Tiere sind Terrarien im Bereich von ungefähr 10 × 17 × 21 cm bis 20 × 20 × 30 cm geeignet. Wichtig ist eine gute Luftzirkulation, idealerweise durch eine Doppelbelüftung. 
Der obere Bereich sollte gut strukturiert sein, zum Beispiel mit Ästen, Kork, Pflanzen oder anderen Klettermöglichkeiten. Dort bauen Springspinnen häufig auch ihr Wohngespinst. Das Terrarium sollte deshalb nicht nur am Boden eingerichtet sein, sondern vor allem im oberen Bereich genügend Halt, Verstecke und Laufflächen bieten. 
Sehr junge Tiere sollten noch nicht zu früh in ein grosses Endterrarium gesetzt werden, da sie dort unter Umständen ihre Futtertiere schlechter finden. 

Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beleuchtung

Springspinnen mögen es warm und hell. Im oberen Bereich des Terrariums sollte die Temperatur ungefähr 26–28 °C betragen, punktuell können auch bis etwa 30 °C erreicht werden. Nach unten hin darf es etwas kühler werden, damit die Spinne selbst zwischen verschiedenen Temperaturbereichen wählen kann.
Wichtig: Die Wärme sollte immer von oben kommen. Eine Heizmatte unter dem Terrarium ist nicht geeignet. Sie würde das natürliche Temperaturgefälle umkehren und den Boden stärker erwärmen als den oberen Aufenthaltsbereich der Spinne.
Da Springspinnen tagaktive Jäger sind und sich stark über ihre Augen orientieren, benötigen sie eine gute Beleuchtung. Eine Beleuchtungsdauer von ungefähr 12 Stunden täglich hat sich bewährt und lässt sich einfach über eine Zeitschaltuhr steuern.
Die Luftfeuchtigkeit sollte bei den von mir gehaltenen Phidippus-Arten ungefähr 60–70 % betragen. Dazu werden je nach Terrarium und Raumklima mehrmals pro Woche einzelne Bereiche oder eine Seitenscheibe leicht besprüht. Das Terrarium sollte dabei niemals dauerhaft nass sein. Eine gute Belüftung sorgt dafür, dass überschüssige Feuchtigkeit wieder abziehen kann.

Futter und Wasser:

Springspinnen sind aktive Jäger und werden mit lebenden Futtertieren gefüttert. Geeignet sind je nach Grösse der Spinne zum Beispiel Fruchtfliegen, Fliegen, kleine Heimchen oder Grillen sowie andere passende Futterinsekten. Das Futtertier sollte zur Grösse der Spinne passen und nicht deutlich grösser als sie selbst sein.
Als Richtwert können Springspinnen etwa zwei- bis dreimal pro Woche gefüttert werden. Junge Tiere benötigen in der Regel häufiger Futter als ausgewachsene Tiere. Entscheidend ist jedoch immer auch der Ernährungszustand der Spinne. Ein gut gefüllter Hinterleib ist ein guter Hinweis darauf, dass nicht sofort wieder gefüttert werden muss.
Nicht gefressene Futtertiere sollten wieder aus dem Terrarium entfernt werden. Besonders während einer bevorstehenden oder laufenden Häutung dürfen keine Futtertiere im Terrarium bleiben, da sie die Spinne stören oder im ungünstigsten Fall verletzen können.
Springspinnen nehmen Wasser hauptsächlich über kleine Tropfen an den Scheiben oder Pflanzen auf. Deshalb werden regelmässig einzelne Bereiche des Terrariums leicht besprüht. Dabei sollte nicht das gesamte Terrarium durchnässt werden. Kleine Wassertropfen reichen vollkommen aus.

Häutung und Fresshäute


Springspinnen wachsen, indem sie sich mehrmals häuten. Die jeweilige Entwicklungsstufe wird häufig mit FH (Fresshaut) angegeben. Die Zahl dahinter zeigt an, in welcher Entwicklungsstufe sich die Spinne befindet. Häutet sich beispielsweise eine Spinne von FH5, befindet sie sich danach in FH6.
Vor einer Häutung ziehen sich Springspinnen häufig in ihr Wohngespinst zurück und spinnen dieses dichter zu. Sie können deutlich ruhiger werden und die Nahrungsaufnahme vollständig einstellen. Das ist in dieser Phase normalerweise kein Grund zur Sorge. Die Vorbereitung auf eine Häutung kann mehrere Tage dauern und bei grösseren Jungtieren auch länger.
Während dieser Zeit sollte die Spinne möglichst nicht gestört werden. Nicht gefressene Futtertiere müssen aus dem Terrarium entfernt werden. Die Beleuchtung läuft wie gewohnt weiter und auch die normale Feuchtigkeitsversorgung wird beibehalten. Dabei sollte das Wohngespinst nicht direkt durchnässt werden.
Auch nach der Häutung bleibt die Spinne häufig zunächst in ihrem Gespinst. Ihr neuer Körperpanzer und besonders die Fangzähne müssen erst vollständig aushärten. Erst wenn die Spinne wieder aktiv unterwegs ist und das Gespinst selbstständig verlässt, sollte erneut Futter angeboten werden.
Wie viele Fresshäute eine Springspinne bis zum Erwachsenenstadium durchläuft, kann unterschiedlich sein. Deshalb sollte man sich nicht auf eine feste Zahl wie beispielsweise FH8 verlassen. Sobald die Spinne adult ist, häutet sie sich nicht mehr.

Geschlecht

Bei jungen Springspinnen lässt sich das Geschlecht häufig noch nicht sicher bestimmen. Erst mit zunehmender Entwicklung werden die Unterschiede zwischen Weibchen und Männchen deutlicher sichtbar.
Bei adulten Männchen sind die Pedipalpen – die kleinen Taster neben den Fangzähnen – deutlich verdickt und erinnern in ihrer Form an kleine Boxhandschuhe. Ausgewachsene Weibchen besitzen dagegen eine sichtbare Epigyne auf der Unterseite des Hinterleibs.
Auch Körperbau und Färbung können Hinweise auf das Geschlecht geben. Diese Merkmale können sich jedoch je nach Art, Lokalform und Entwicklungsstadium unterscheiden und sind deshalb allein nicht immer zuverlässig.
Bei noch nicht adulten Tieren wird das Geschlecht daher nach bestem Wissen und Gewissen bestimmt. Eine hundertprozentige Bestimmung ist in frühen Fresshäuten nicht immer möglich.

Phidippus Regius Apalachicola Weibchen
Farbe der Cheliceren  ist rosa
Phidippus Regius Apalachicola Männchen
Farbe der Cheliceren ist grün. Der Körper im männchentypischem schwarz weiss gefärbt
Phidippus Ardens Weibchen. Rotes Abdomen mit einem deutlichen schwarzen Strich
Phidippus Ardens Männchen. Rotes Abdomen ohne Strich

Phidippus Regius Apalachicola
Fachbezeichnung: Phidippus regius
Lokalform: Apalachicola
Familie: Salticidae
Herkunft: Florida (Naturschutzgebiet Apalachicola National Forest)
Temperatur: 24–30° C (26–28° C im oberen Drittel sind optimal)
Luftfeuchtigkeit: ca. 60–70%
Grösse: ca. 2 cm
Mögliche Farbvariationen:
Weibchen: Hellgrau, Hellbraun, Schwarz
Männchen: Schwarz
Besonderheiten:
Tagaktive Jäger: Eine gute Ausleuchtung der Behausung ist wichtig.
Gesichtsähnliche Zeichnung des Abdomens.

Phidippus Ardens
Es ist eine faszinierende Art, bei der das Männchen genauso schön gefärbt ist wie das Weibchen.
Eine besondere Eigenschaft ist, dass sich die Geschlechter bei dieser Art nicht durch die Cheliceren unterscheiden lassen, da sie bei beiden Geschlechtern blau-türkis sind.
Die Geschlechtsbestimmung ist bei dieser Art über das Abdomen möglich. Das Weibchen hat ein rotes Abdomen mit einem gut sichtbaren schwarzen Strich, das Abdomen des Männchens ist leuchtend rot gefärbt.
Familie: Salticidae
Herkunft: Mexiko
Temperatur: 26–28 °C, oben wärmer und unten kühler
Luftfeuchtigkeit: ca. 60–70 %
Grösse: ca. 2 cm